Sonntag, der 18.08.2019 (II)

von Elmar Podlasly

DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (Deutschland 1929, Arnold Fanck, G.W. Pabst)

Leni Riefenstahl & Gustav Diessl in DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜT (Foto: DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum)

Das frisch vermählte Paar Hans (Ernst Petersen) und Maria (Leni Riefenstahl) macht eine Bergtour in die Dolomiten. Die Zweisamkeit in einer Berghütte unterbrochen als Dr. Johannes Krafft (Gustav Diessl) in der Hütte auftaucht. Krafft hat vor einigen Jahren seine Verlobte verloren, die nach einer Lawine in eine Gletscherspalte gestürzt ist und deren Leiche nie geborgen werden konnte. Seitdem klettert er in den Bergen herum, in der Hoffnung seine Verlobte wiederzufinden. Die Einheimischen nennen ihn deswegen den „Geist des Berges“. Doch Maria findet Zugang zu dem verschlossenen Krafft und hat Mitleid mit ihm, was Hans eifersüchtig macht. Als Krafft am nächsten Tag einen gefährlichen Aufstieg wagen will, an der er bereits mehrfach gescheitert ist, will Hans ihn begleiten, um vor Maria anzugeben, die er in der Hütte zurücklassen will. Doch Maria lässt sich nicht abhängen und sie klettern zu dritt den Berg hoch. Ihnen auf den Fersen ist eine Gruppe Studenten, die, als sie von weitem Krafft erkennen, diesen aus sportlichen Gründen unbedingt überholen wollen auf dem Weg zum Gipfel und beschließen eine noch gefährlichere Route zu versuchen. Nach einer Weile als dritter Mann in der Seilschaft besteht der ungestüme Hans darauf, die Führung zu übernehmen, was fatale Folgen hat. Er stürzt ab und Krafft muss ihn retten, wobei dieser sich ein Bein bricht. Es löst sich auch noch eine Lawine und begräbt die Gruppe Studenten unter sich, bzw. schubst sie tief in die Gletscherspalten hinab, während Maria, Krafft und der schwerverletzte Hans in der Wand festhängen. Krafft muss seine ganze Erfahrung aufwenden um die drei am Leben zu halten und den Bergführer im Dorf auf sich aufmerksam zu machen. Dieser startet eine Rettungsexpedition doch kann die drei nicht finden. Die Studenten werden nur noch tot geborgen. Schließlich bietet der Flieger Ernst Udet, der zufällig mit Hans und Maria befreundet ist, seine Hilfe an und versucht sie vom Flugzeug aus ausfindig zu machen…

„Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (Foto: DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum)

Der Produzent Harry R. Sokal stellte Fanck, dem Bergfilm-Spezialisten, den Regisseur G.W. Pabst an die Seite, damit dieser sich um die Personenregie in den Innenaufnahmen kümmern sollte, weil Fanck nicht gut mit Schauspielern umgehen konnte. Pabst mischte sich aber auch in andere Teile der Dreharbeiten ein, was Fanck nicht gefallen haben kann. Man erkennt aber die Handschriften beider in dem Film wieder. Die bombastischen überwältigenden Bergaufnahmen, in denen die Schauspieler klein und verloren wirken und dem gegenüber die Intimität des jungen Paares, mit Gesichtern in Großaufnahme. Ich glaube es ist auch der einzige Film, in dem ich Leni Riefenstahl als Schauspielerin etwas abgewinnen kann. Gustav Diessl hat eine wahnsinnig starke Leinwandpräsenz und man glaubt ihm auch den erfahrenen Bergsteiger. Ernst Petersen bleibt etwas blass, aber das passt auch zu seiner Rolle. Alle Beteiligten wurden vor der Kamera Situationen ausgesetzt, die lebensbedrohlich wirken und es wohl auch in Wirklichkeit waren. Was letztendlich den Reiz des Films ausmacht, da er sich durch Authentizität von allen Pappmaché-Kunstschnee-Bergsteigerdramen abhebt. Dafür waren neben den zwei Regisseuren gleich 3 Kameramänner nötig: Sepp Allgeier, Richard Angst und Hans Schneeberger.

Vor allem die unglaubliche Sequenz, wo die Retter mit den brennenden Pechfackeln durch die Gletscherspalten kraxeln um nach den Vermissten zu suchen, ist so beeindruckend, dass man diese im Tonfilm-Remake von 1950 unter dem Titel FÖHN (mit Hans Albers, Lilo Pulver und Adrian Hoven) einfach nochmal verwendet hat.

DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜ ist aber mit 2 Stunden und 15 Minuten Laufzeit ein ziemlicher Klopper, der mir bei früheren Sichtungen immer zu lang vorkam. Spätestens wenn sie die dritte Nacht in in Folge in der Wand ausharren und Ernst Udet seine endlosen Loopings fliegt, hatte der Film meine Geduld überbeansprucht. Da zeigte sich hier in Bonn mal wieder, was eine gute Musikbegleitung ausmachen kann. Sabrina Zimmermann (Geige) und Mark Pogolski (Flügel) haben es geschafft, mit der von Zimmermann komponierten Musik (die wieder Motive ihres Vaters Aljoscha Zimmermann aufgreift, die dieser für andere Bergfilme von Arnold Fanck komponiert hat) die Längen des Films zu verkürzen. Stetig treibend und aufwühlend, konnte durch Musik die Spannung gehalten werden und die vielen Szenen mit Beinahe-Abstürzen und Menschen die am Seil über dem Abgrund baumeln wurden mit zusätzlicher Dramatik aufgeladen, so das ich einige Male wirklich wirklich kurz die Luft angehalten habe. Die Vorführung verfehlte auch die Wirkung beim Publikum nicht, was dieses mit stehenden Ovationen bekundete.

Sigrid Limprecht, Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski (Foto: Elmar Podlasly)
Sigrid Limprecht, Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski (Foto: Elmar Podlasly)
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