Sonntag, der 25.08.2019

von Elmar Podlasly

MAJESTÄT SCHNEIDET BUBIKÖPFE! (HANS KUNGLIG HÖGHET SHINGLAR, Schweden/Deutschland 1928, Regie: Ragnar Hytén-Cavallius)

Majestät schneidet Bubiköpfe (Foto: Förderverein Filmkultur Bonn e.V.)

Der alte Friseurmeister André Grégory (Hans Junkermann) erhält Besuch von seinem Enkel Nickolo (Enrique Rivero), der auf Urlaub von seinem Studium ist. Nickolo fängt sofort an, im Friseurladen auszuhelfen, was sein Großvater mit gemischten Gefühlen sieht. Denn Nickolo kennt nicht das Geheimnis des alten Friseurs, der gar nicht wirklich sein Großvater ist, sondern einst der Hoffriseur des Königs von Schnorrkadien war. Als dort die Revolution ausbrach, vertraute man ihm den Thronfolger Nickolo noch als Baby an, damit er ihn erziehen und im Exil in Schweden auf seine Rückkehr vorbereiten sollte. Die beiden Organisatoren dieser Rettungsaktion legen mit einem Schiff im Hafen an und es scheint, die Zeit der Rückkehr stünde kurz bevor. Währenddessen hat sich Nickolo, der als Friseur sehr beliebt bei den jungen Damen ist, weil er auch den modernen Bubikopf schneiden kann, in die hübsche Astrid Svensson (Brita Apelgreen) verliebt. Die ist wiederum die Enkelin von Sophie Svensson (Karin Swanström), die ein gigantisches Vermögen mit einem Haarwuchsmittel gemacht hat, „das jede Glatze in Hochwald verwandelt“ (Zwischentitel). Sie will Astrid unbedingt in eine adelige Familie verheiraten, Graf Falkenstjerna (Julius Falkenstein) scheint ihr da genau der Richtige zu sein. Als die Herren aus Schnorrkadien André informieren, dass für die Rückkehr zur Monarchie eine größere Menge Bargeld nötig ist, kommt diesem eine Idee: Er zieht Sophie Svensson ins Vertrauen und organisiert so die Verlobung des Kronprinzen mit der reichsten Erbin von Schweden. Was kann da noch schiefgehen?

Der Film ist eine Wiederentdeckung des schwedischen Filminstituts. Leider waren die ersten Minuten irreparabel beschädigt, weswegen man sich hier mit Standfotos beholfen hat. Das war aber für das Verständnis des gesamten Films kein Problem. Der Autor der originalen deutschen Zwischentitel gibt ordentlich Gas und motzt die Titel mit allerlei Wortwitz und Kalauern auf (wir haben es überprüft: Rainer Brandt war noch nicht geboren). Die Titel sind auf der Zensurkarte dokumentiert und dankenswerterweise entschieden sich die Übersetzerin Andrea Kirchhartz und der Kurator Stefan Drößler dafür, den Text der alten deutschen Zwischentitel weitgehend zu übernehmen und es nicht bei einer direkten Übersetzung der etwas nüchterneren schwedischen Titel zu belassen. Die alten deutschen Titel machen aus dem Grafen Edelstjerna einen Graf Falkenstjerna, was eine Anspielung auf den Darsteller des Grafen, Julius Falkenstein ist. Der Graf ist es auch, der in der deutschen Fassung auf seinen Stammbaum hinweist: „Fräulein Svensson – meine Ahnen gehen bis zu Theophil dem Verdatterten zurück!“ Aus dem Königreich „Tiranien“ wird das Paradies der Schnorrer: „Schnorrkadien“.

Auf der Zensurkarte finden sich auch zwei Zensurvermerke, eine Szene und ein Zwischentitel mussten entfernt werden, damit der Film 1928 in deutschen Kinos gezeigt werden durfte. Eine Szene, die während der Rückblende zur Revolution in Schnorrkadien Tote zeigt, wurde beanstandet. Der zensierte Zwischentitel war: „Was haben Sie aus dem Mädel gemacht, Sie … Haar-Mann!“ Diese böse Anspielung auf den 1925 hingerichteten Serienmörder Fritz Haarmann ging dem Zensor zu weit. Es wurde daraus: „Was haben Sie aus dem Mädel gemacht, Sie … Zopfabschneider!“

Insgesamt war mir der Film ein bisschen zu nett und harmlos, wobei die ideenreiche deutsche Übersetzung viel Spaß brachte, und die durchaus überraschende letzte Wendung der Geschichte, die ich nicht verraten möchte, einiges wieder wettmachte. Auch die Charakterdarsteller machen ihre Sache allesamt gut.

Alles in allem durchaus ein würdiger Abschlussfilm, der beim Publikum gut ankam, ebenso wie die wunderbare musikalische Begleitung von Günter A. Buchwald.

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