DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (Deutschland 1929, Arnold Fanck, G.W. Pabst)
Leni Riefenstahl & Gustav Diessl in DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜT (Foto: DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum)
Das frisch vermählte Paar Hans (Ernst Petersen) und Maria (Leni Riefenstahl) macht eine Bergtour in die Dolomiten. Die Zweisamkeit in einer Berghütte unterbrochen als Dr. Johannes Krafft (Gustav Diessl) in der Hütte auftaucht. Krafft hat vor einigen Jahren seine Verlobte verloren, die nach einer Lawine in eine Gletscherspalte gestürzt ist und deren Leiche nie geborgen werden konnte. Seitdem klettert er in den Bergen herum, in der Hoffnung seine Verlobte wiederzufinden. Die Einheimischen nennen ihn deswegen den „Geist des Berges“. Doch Maria findet Zugang zu dem verschlossenen Krafft und hat Mitleid mit ihm, was Hans eifersüchtig macht. Als Krafft am nächsten Tag einen gefährlichen Aufstieg wagen will, an der er bereits mehrfach gescheitert ist, will Hans ihn begleiten, um vor Maria anzugeben, die er in der Hütte zurücklassen will. Doch Maria lässt sich nicht abhängen und sie klettern zu dritt den Berg hoch. Ihnen auf den Fersen ist eine Gruppe Studenten, die, als sie von weitem Krafft erkennen, diesen aus sportlichen Gründen unbedingt überholen wollen auf dem Weg zum Gipfel und beschließen eine noch gefährlichere Route zu versuchen. Nach einer Weile als dritter Mann in der Seilschaft besteht der ungestüme Hans darauf, die Führung zu übernehmen, was fatale Folgen hat. Er stürzt ab und Krafft muss ihn retten, wobei dieser sich ein Bein bricht. Es löst sich auch noch eine Lawine und begräbt die Gruppe Studenten unter sich, bzw. schubst sie tief in die Gletscherspalten hinab, während Maria, Krafft und der schwerverletzte Hans in der Wand festhängen. Krafft muss seine ganze Erfahrung aufwenden um die drei am Leben zu halten und den Bergführer im Dorf auf sich aufmerksam zu machen. Dieser startet eine Rettungsexpedition doch kann die drei nicht finden. Die Studenten werden nur noch tot geborgen. Schließlich bietet der Flieger Ernst Udet, der zufällig mit Hans und Maria befreundet ist, seine Hilfe an und versucht sie vom Flugzeug aus ausfindig zu machen…
„Die weiße Hölle vom Piz Palü“ (Foto: DFF Deutsches Filminstitut und Filmmuseum)
Der Produzent Harry R. Sokal stellte
Fanck, dem Bergfilm-Spezialisten, den Regisseur G.W. Pabst an die
Seite, damit dieser sich um die Personenregie in den Innenaufnahmen
kümmern sollte, weil Fanck nicht gut mit Schauspielern umgehen
konnte. Pabst mischte sich aber auch in andere Teile der Dreharbeiten
ein, was Fanck nicht gefallen haben kann. Man erkennt aber die
Handschriften beider in dem Film wieder. Die bombastischen
überwältigenden Bergaufnahmen, in denen die Schauspieler klein und
verloren wirken und dem gegenüber die Intimität des jungen Paares,
mit Gesichtern in Großaufnahme. Ich glaube es ist auch der einzige
Film, in dem ich Leni Riefenstahl als Schauspielerin etwas abgewinnen
kann. Gustav Diessl hat eine wahnsinnig starke Leinwandpräsenz und
man glaubt ihm auch den erfahrenen Bergsteiger. Ernst Petersen bleibt
etwas blass, aber das passt auch zu seiner Rolle. Alle Beteiligten
wurden vor der Kamera Situationen ausgesetzt, die lebensbedrohlich
wirken und es wohl auch in Wirklichkeit waren. Was letztendlich den
Reiz des Films ausmacht, da er sich durch Authentizität von allen
Pappmaché-Kunstschnee-Bergsteigerdramen abhebt. Dafür waren neben
den zwei Regisseuren gleich 3 Kameramänner nötig: Sepp Allgeier,
Richard Angst und Hans Schneeberger.
Vor allem die unglaubliche Sequenz, wo
die Retter mit den brennenden Pechfackeln durch die Gletscherspalten
kraxeln um nach den Vermissten zu suchen, ist so beeindruckend, dass
man diese im Tonfilm-Remake von 1950 unter dem Titel FÖHN (mit Hans
Albers, Lilo Pulver und Adrian Hoven) einfach nochmal verwendet hat.
DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜ ist aber mit 2 Stunden und 15 Minuten Laufzeit ein ziemlicher Klopper, der mir bei früheren Sichtungen immer zu lang vorkam. Spätestens wenn sie die dritte Nacht in in Folge in der Wand ausharren und Ernst Udet seine endlosen Loopings fliegt, hatte der Film meine Geduld überbeansprucht. Da zeigte sich hier in Bonn mal wieder, was eine gute Musikbegleitung ausmachen kann. Sabrina Zimmermann (Geige) und Mark Pogolski (Flügel) haben es geschafft, mit der von Zimmermann komponierten Musik (die wieder Motive ihres Vaters Aljoscha Zimmermann aufgreift, die dieser für andere Bergfilme von Arnold Fanck komponiert hat) die Längen des Films zu verkürzen. Stetig treibend und aufwühlend, konnte durch Musik die Spannung gehalten werden und die vielen Szenen mit Beinahe-Abstürzen und Menschen die am Seil über dem Abgrund baumeln wurden mit zusätzlicher Dramatik aufgeladen, so das ich einige Male wirklich wirklich kurz die Luft angehalten habe. Die Vorführung verfehlte auch die Wirkung beim Publikum nicht, was dieses mit stehenden Ovationen bekundete.
Sigrid Limprecht, Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski (Foto: Elmar Podlasly) Sigrid Limprecht, Sabrina Zimmermann, Mark Pogolski (Foto: Elmar Podlasly)
Am Samstag waren die Filmgötter uns
nicht ganz so gewogen, denn es regnete etwas. Dementsprechend waren
weit weniger Leute gekommen, als es das Programm des Abends
eigentlich verdiente…
Das verbotene Paradies (Foto: Foerderverein Filmkultur Bonn e.V.)
„Schnurrbartspitzen nach oben!“
DAS VERBOTENE PARADIES
(Forbidden Paradise, USA 1924, R: Ernst Lubitsch)
In einem fiktiven Balkanstaat regiert
Königin Katharina (Pola Negri). Sie verbringt ihre Zeit damit, in
ihrem Palast haufenweise Männer zu vernaschen, während ihr
Hofmarschall (Adolphe Menjou) sich um alle Abläufe diplomatisch
kümmert.
Währenddessen brodelt es in ein einem
anderen Teil des Landes und eine Revolution droht. Davon wird der
junge Offizier Alexei Czerny (Rod La Rocque) Zeuge und macht sich auf
Gedeih und Verderb auf den Weg, um seine Königin zu warnen.
Er kommt in den Palast, in dem auch
seine Verlobte Anna (Pauline Starke) als Kammerzofe der Königin
arbeitet, und verlangt eine Audienz. Der Hofmarschall hält ihn für
verrückt und will ihn abführen lassen, doch es gelingt Alexei, bis
zur Königin vorzudringen. Doch die ist weniger interessiert an dem,
was er zu sagen hat, als an seinem Körper. Sie ernennt ihn zum
Hauptmann ihrer Leibgarde, mit eindeutigen Hintergedanken, sehr zum
Entsetzen von Anna. Der naive Idealist Alexei kann den beachtlichen
Verführungskünsten der Königin nicht lange widerstehen und es
kommt zum Eklat, als Anna die Königin konfrontiert. Diese lässt
Anna wegen Majestätsbeleidigung einsperren, während draußen die
Revolution sich immer weiter ausbreitet…
Der Film wurde erst im letzten Jahr vom
New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) restauriert, davor gab es von
dem Film nur Fragmente, aber keine aufführbare Fassung. Einige
fehlende Teile hat man durch Szenenwiederholungen und durch digitale
Rekonstruktion überbrückt, was nicht immer gut gelungen ist. Aber
alle wichtigen Szenen sind vollständig und die Bildqualität ist
durchweg gut. Was gibt es Schöneres, als einen verschollenen Film
endlich sehen zu können, der dann alle Erwartungen erfüllt und gar
übertrifft? Endlich kann man eine Lücke füllen und einen von
Lubitschs besten amerikanischen Stummfilmen (wieder)sehen.
Hauptdarstellerin Pola Negri gebührt ein großer Teil des Erfolgs,
ihr ist einfach kein Mann gewachsen. Ernst Lubitsch, ihr Entdecker,
soll es sehr gekränkt haben, dass ihr noch vor ihm der Sprung nach
Hollywood gelungen ist. Leider blieb DAS VERBOTENE PARADIES die
einzige amerikanische Zusammenarbeit der beiden, was angesichts
dieses Films umso mehr verwundert. Ansonsten ist der Film der
wahrscheinlich frivolste aller Lubitsch-Filme, wobei alles mit
Andeutungen, Gesten, Blicken und Gags erzählt wird und natürlich
keine nackte Haut zu sehen ist, dafür aber nach oben gezwirbelte
Schnurrbart-Enden. Lubitsch schafft es, die Zuschauer erahnen und
verstehen zu lassen, dass es immer nur um das Eine geht, ohne dass
dieses Eine je benannt wird. Der berühmte Lubitsch-Touch eben. Mein
Lieblingsgag ist ein ominöser pompöser Orden, den die Königin nur
für eine ganz bestimmte Leistung zu verleihen scheint.
Wie immer bei Lubitsch spielen Türen eine große Rolle. Hier vor allem die Tür zu den Gemächern der Königin, die zwar nicht verschlossen ist, die aber trotzdem nur bestimmte Personen öffnen dürfen, und auf deren Klinke sich von außen viele erwartungsvolle Blicke richten. Nur der Hofmarschall darf durchs Schlüsselloch gucken, wovon er bereits Rückenschmerzen hat, bis die Königin ihm durch einen Vorhang den Blick versperrt. Der Großteil des Films spielt sich auf beiden Seiten dieser Tür ab, doch wenn man mal mehr vom Palast zu sehen bekommt, ist dieser geradezu lächerlich riesig und es würde ohne Schnitt ewig dauern, bis jemand seine gigantischen Hallen durchschritten hat. Der Ton des Films bleibt kontinuierlich leicht, und auch die Revolution findet ein überraschendes unblutiges Ende. Weil Lubitsch seine Figuren liebt, werden sie am Ende nicht bestraft oder geläutert. Die Königin wird nicht verheiratet und tugendhaft, sondern sie macht genau so weiter, wie es ihre Art ist. Der nächste Orden wird bereits verliehen…
Mark Pogolski, Sabrina Zimmermann (Foto: Elmar Podlasly)
Der Film wurde fantastisch begleitet von Sabrina Zimmermann an der Geige und Mark Pogolski am Flügel. Bei der Musik von Sabrina Zimmermann griff sie auf Motive ihres Vaters Aljoscha Zimmermann zurück.
Ich habe mitbekommen, dass einige Zuschauer irritiert waren, weil die deutsche Zwischentitelübersetzung, die ja hier in Bonn neben den Film projiziert wird, zum Teil deutlich von der englischen Originalversion abwich. Das kommt daher, dass die deutschen Titel hier keine Übersetzung der englischen Zwischentitel waren, sondern die originalen deutschen Zwischentitel der 20er Jahre aus der Zensurkarte.
Was ist eigentlich eine Zensurkarte?
Eine Zensurkarte, auch Zulassungskarte
oder Erlaubniskarte genannt, ist ein historisches amtliches Dokument
der Filmzensur. In Berlin wurde 1906 die polizeiliche Filmzensur
eingeführt und jeder Film musste, um überhaupt in den Kinos
vorgeführt werden zu können, bei der Polizei zur Kontrolle
eingereicht werden. Die füllte die Zensurkarte aus und fügte sie
jeder Filmkopie bei, als Nachweis das der Film die Zensur durchlaufen
hatte. Viele dieser Karten haben die Zeit überdauert und lagern im
Bundesarchiv Filmarchiv. Das Bemerkenswerte an diesen Karten und ihre
Bedeutung für die Restaurierung von Filmen liegt darin, dass darauf
der Text aller Zwischentitel eines Films vermerkt ist. So kann man
z.B. einen Eindruck von nicht mehr existierenden Filmen gewinnen oder
Unterschiede zwischen verschiedenen Fassungen erkennen. Oder, wie im
Fall von DAS VERBOTENE PARADIES, die deutsche Fassung
wiederherstellen, so wie sie einst in Deutschland aufgeführt wurde.
Man kann eigentlich davon ausgehen, dass die meisten Zuschauer des
Festivals Englisch verstehen. So eröffnet sich eine neue
Rezeptionsebene, da man die beiden Fassungen miteinander vergleichen
kann. Wer das ablenkend findet, kann sich nur für eine Version
entscheiden. Problematisch wird es, wenn sich die Zensurkarte und die
Vorführfassung stark unterscheiden. Dann muss eine Anpassung
vorgenommen werden. Auch wenn Begriffe auftauchen, die einem heutigen
Zuschauer nichts mehr sagen. So übersetzte man bei DAS VERBOTENE
PARADIES den „Lord Chamberlain“ laut Zensurkarte damals mit einem
Begriff aus dem preußischen Hofprotokoll: „Der Minister des
königlichen Hauses“. Weil das aber niemandem mehr etwas sagt,
entschied sich die Übersetzerin des Festivals, Andrea Kirchhartz,
für den Begriff „Hofmarschall“. Ansonsten hat die alte deutsche
Fassung eine sehr schöne altmodisch-blumige Sprache. Aus „Alexei
had promised to meet his fiancée at eight o’clock in the Royal
gardens.”
wird in der deutschen Fassung dann „Wenn der Hofdienst beendet ist und der Abend seine Schatten über die Büsche der königlichen Gärten deckt, verlangt auch die Liebe nach ihrem Recht.“
KAMPF UMS GLÜCK (FEN DOU, China 1932, Regie: Shi Dongshan)
In einem Mehrfamilienhaus wohnt unten
der alte Grundschullehrer Herr Liu mit seiner Frau, darüber zwei
junge Fabrikarbeiter (Zheng Junli und Yuan Congmei), die in ständigem
Wettkampf miteinander stehen und obendrein beide in dasselbe Mädchen,
genannt „Kleine Schwalbe“ (Yanyan Chen), verliebt sind, die mit
ihrem brutalen Adoptivvater über ihnen wohnt.
Der Adoptivvater will Kleine Schwalbe
für Geld an einen Mann verheiraten und schlägt sie, als sie sich
verweigert. Es gelingt ihr, dem Adoptivvater zu entkommen, und Zheng
und Yuan verstecken sie in ihrer Wohnung.
Wieder entbrennt ein Streit zwischen
den beiden um Kleine Schwalbe. Herr Liu will schlichten, doch der
Adoptivvater kommt dazwischen. Es gelingt Zheng, der „Junger Tiger“
genannt wird, mit Kleiner Schwalbe zu fliehen. Doch nicht nur der
Adoptivvater, sondern auch der eifersüchtige Yuan, von Herrn Liu auf
eine falsche Fährte geschickt, ist ihnen auf den Fersen. Während
Herr Liu mit seiner Frau in sein Heimatdorf zurückkehrt, weil er
Angst vor Yuans Rache hat, heiraten Junger Tiger und Kleine Schwalbe
in einer anderen Stadt und leben glücklich zusammen, bis Yuan sie
dort aufspürt. Es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod, der nur
durch Zufall von der Polizei unterbrochen werden kann.
Die beiden kommen ins Gefängnis. Dort
erfahren sie vom bevorstehenden Krieg gegen die japanischen Invasoren
und Junger Tiger will sich freiwillig melden und provoziert Yuan es
auch zu tun. Als Junger Tiger sich von Kleiner Schwalbe in den
Fronteinsatz verabschiedet, versteht er nicht warum sie weint. Sie
solle ihm doch Erfolg wünschen und fröhlich sein. Während Junger
Tiger sich an der Front bewährt und Yuan geläutert den Heldentod
stirbt, bleibt Kleine Schwalbe bei Herrn Liu im Dorf. Sie wartet
sehnsüchtig auf seine Rückkehr und wird darüber schließlich
schwer krank…
Dieser erst vor kurzem wiederentdeckte
Film ist eine neue Restaurierung vom China Film Archive. Er ist
deutlich besser erhalten als die meisten bisher hier in Bonn
gezeigten chinesischen Stummfilme und wurde wunderbar begleitet von
Stephen Horne am Flügel und Frank Bockius an den
Percussioninstrumenten. Der Grund dafür, dass der Film vergessen
war, liegt wahrscheinlich darin, dass es sich nicht um einen
kommunistischen Film handelt, sondern einen sehr westlich
orientierten. Regisseur Shi Dongshan der (laut Programmheft) im
kommunistischen China politisch verfolgt wurde und sich 1955 das
Leben nahm, hat sich eine Menge abgeguckt von den amerikanischen
Filmen seiner Zeit, insbesondere wohl von Frank Borzages 7TH HEAVEN
(USA 1927). Hinzu kommt, wenn der Held gegen Ende in den Krieg zieht,
tut er das nicht unter der Flagge der Kommunisten, sondern derer der
nationalchinesischen Kuomintang, wobei sich diese beiden verfeindeten
Gruppen kurzzeitig vereinten, um gegen die Japaner zu kämpfen, die
während des lange währenden chinesischen
Bürgerkrieges (1927-1949) Teile des Landes besetzten. Davon
abgesehen tut der amerikanische Einfluss dem Film sehr gut, denn
zumindest in der ersten Hälfte des Films, die in dem Mietshaus
spielt, besticht er durch sehr gute Kameraarbeit. Die Kamera fährt
oft im Treppenhaus zwischen den Stockwerken hin und her, während die
Bewohner diese hinauf oder hinab stürmen.
Eine schöne Szene ist auch, als Junger
Tiger auf einem Jahrmarkt in einer Wurfbude 4 Dämonen-Figuren
umwerfen will, um einen Preis für Kleine Schwalbe zu gewinnen. Es
gelingt ihm, die Dämonen der Krankheit, des Krieges und des Geldes
umzuwerfen, doch den Dämon der Lust will er partout nicht treffen.
Eine böse Vorahnung der kommenden Szene mit Yuan.
Etwas genervt hat mich die Figur des
Lehrers Liu, der einfach ständig und für jeden weise Ratschläge
parat hat. Selbst als gegen Ende des Films der böse Adoptivvater
wieder auftaucht und von den Männern des Dorfes verprügelt wird,
rät ihm der Lehrer, erst zurückzukehren, wenn er sich geändert
habe und ein besserer Mensch geworden ist, was dieser demütig
annimmt und sagt, er wisse zu würdigen, was Herr Liu ihm geraten
habe.
Als Kleine Schwalbe sich sorgt, ob ihr Junger Tiger wieder von der Front zurückkehren wird, erzählt er ihr, Krieg wäre gar nicht so schlimm, und dass Kugeln tapferen Soldaten ausweichen würden. Man könnte meinen, er sagt das nur, um sie zu beruhigen, aber es passt zu der völlig unkritischen Haltung des Films Krieg gegenüber. Dieser ist scheinbar nur dazu da, damit „richtige Männer“ wie Junger Tiger sich beweisen können, während die anderen an der Front sterben, so dass der Film sich letzten Endes doch als Propaganda entlarvt. Schon am Anfang des Films, wird Herr Liu eingeführt, als er zwei streitende Schüler trennt (wieder eine Vorschau auf das Verhältnis zwischen Yuan und Zheng/Junger Tiger). Junger Tiger zeigt sich dabei beeindruckt von dem einen Jungen, der den anderen verprügelt hat, weil dieser seine Familie beleidigt habe. Der Junge sei kein Feigling und kämpfe für seine Ehre. Darauf antwortet Herr Liu: „Ein Mann, der nicht kämpfen kann, findet nie einen Platz in der Welt“.